KIA EV2 – Urban oder Langstrecke?

20260824_133007 - SeiteMit dem EV2 stellt Kia das kleinste und günstigste Mitglied seiner Elektro-Familie auf die Räder. Der kompakte City-Stromer misst nur 4,06 m in der Länge, basiert auf der bekannten E-GMP-Plattform mit 400-Volt-Architektur und positioniert sich als bezahlbarer Einstieg in die Kia-Elektrowelt.
Ich war mit der Variante mit dem 42,2-kWh-Akku unterwegs und durfte in den letzten Tagen herausfinden, was der Kleine wirklich kann.

Technik

Unter dem Blech steckt ein Elektromotor an der Vorderachse mit 108 kW (147 PS) und 250 Nm Drehmoment. Damit sprintet der EV2 in ca. 8,5 s auf 100 km/h, bei 161 km/h wird aus Effizienzgründen elektronisch abgeregelt. Für ein urbanes Kompakt-SUV ist das völlig ausreichend, ein Sportler will der EV2 ohnehin nicht sein.

Die von mir getestete Bat20260824_133135 -Armaturenterie hat eine Kapazität von 42,2 kWh (brutto), rund 41 kWh davon sind nutzbar. Verbaut ist hier ein robuster LFP-Akku (Lithium-Eisenphosphat), der nach WLTP bis zu 317 km Reichweite ermöglichen soll. Wer mehr braucht, kann die größere 61-kWh-Variante mit bis zu 453 km ordern.

Geladen wird mit bis zu 11 kW AC (22 kW optional) und mit bis zu ca. 115 kW DC am Schnelllader. Von 10 auf 80 % erledigt der Kleine damit in knapp unter 30 Minuten.

Eine Besonderheit, die ich bei einem so kleinen und günstigen Auto nicht selbstverständlich finde: Der EV2 beherrscht V2L (Vehicle-to-Load) mit 3.600 Watt Leistung. Damit lassen sich unterwegs problemlos elektrische Geräte betreiben.

Platzangebot

Das Platzangebot der Variante mit 4 Sitzplätzen ist speziell im hinteren Bereich sehr variabel. Die hinteren Sitze können um ca. 15 Zentimeter verschoben und sehr flexibel in der Neigung verstellt werden. Dadurch können auch 2 große Personen auf der hinteren Sitzreihe bequem mitfahren, wenn man auf etwas Kofferraum verzichtet. Für den Einkauf im Möbelhaus kann man die Sitze sitzpositionen_vergleich_CLAUDEumlegen und bekommt einen ca. 1200 Liter großen ebenen Laderaum. Die Kofferraumabdeckung hat allerdings noch Verbesserungspotential, denn sie ist fast immer im Weg. Dieses Teil wird sicher bei den meisten Käufern einen Platz in einer Garagenecke bekommen, den hat sie auch verdient!

Auf der hinteren Sitzreihe gibt es Luftauslässe für die Klimaanlage und eine 250V Steckdose die bis zu 16A abgeben kann. Perfekt, um unterwegs die Kühltasche zu betreiben, oder einen Laptop oder die Akkus der Elektrofahrräder aufzuladen. Diese kann man übrigens auf einem Fahrradträger mit der optional bestellbaren Anhängekupplung transportieren.

Praxistest

Besonders erfreut hat mich die Bedienbarkeit des kleinen EV2. Für alles Wichtige gibt es Tasten an einem Platz wo man sie 20260824_133241 - Kofferraumerwartet. Der Rest wird über das zentrale Display bedient. Die Optik dort ist funktionell, könnte aber hier und dort etwas mehr Farbe vertragen.
Mir gefallen beispielsweise die Tasten für die Sitzheizung in den Türen, denn so kann sich auch der Beifahrer selbst helfen ohne eine Einweisung zu benötigen.

Nach dem Losfahren werden die Türgriffe eingefahren und die Zentralverriegelung versperrt. Wenn man in den amerikanischen Slums unterwegs ist, ist das möglicherweise brauchbar. In unseren Breiten würde ich mir wünschen, dass man es abschalten kann. Man kann allerdings einstellen, dass die Türen sofort entsperrt werden, wenn das Fahrzeug in den “P”-Modus gestellt wird.

20260822_142503 - KopieDer EV2 mit dem kleinen Akku löst bei mir anfangs etwas Vorsicht bei der Reichweitenberechnung aus. Meine erste Testfahrt geht ca. 160 km auf der Autobahn zu einer Präsentation. Hier sind meine Testautos oft etwas überschwänglich in der Reichweitenangabe.
Allerdings hat mich der Kia sowohl bei der Einschätzung als auch beim Verbrauch sehr überrascht, denn der Kleine ist nicht nur sehr sparsam, sondern zeigt die Reichweite auch sehr aufschlussreich an.

Der Highway Driving Assist (HDA) funktioniert im Autobahnbetrieb gut, bei Baustellen die etwas unklar gekennzeichnet sind, gibt es manchmal eine leichte Ausgleichslenkbewegung, so als wäre das Auto unsicher. Der HDA hat mich aber in keiner Situation im Stich gelassen, wo ich es nicht erwartet habe Winking smile
In der Stadt bremst der HDA manchmal etwas ruppig, allerdings gibt es eine Einstellung dazu, die ich erst am Ende meiner Testfahrt entdeckt habe. Lässt sich also wahrscheinlich besser einstellen.

Was ich allerdings in allen Kia Fahrzeugen gefunden habe ist die einfache Abschaltemöglichkeit der Verkehrszeichenwarnung.
Diese hat noch in keinem meiner Testfahrzeuge gut funktioniert, ist allerdings vorgeschrieben. Mehr dazu in einem eigenen Artikel

20260824_133016 - vorneNach dem Beenden der Fahrt muss man das Fahrzeug über den Knopf an der Lenksäule abschalten, sonst piept es laut, wenn man es nach dem Aussteigen zusperren möchte. Wenn man, so wie ich, ein Auto aus dem VAG-Konzern fährt, ist das etwas nervig. Ich frage mich oft, welche Situation es geben kann, die es in der Praxis nötig macht, das Versperren zu verhindern, wenn niemand im Auto ist.

Eine besondere Überraschung hatte ich auf einer Fahrt durch eine relativ neue Baustelle, die mich in den Gegenverkehr umgeleitet hat. Der EV2 meldet sich mit einer Nachricht, dass ich doch bitte die Fahrtrichtung prüfen soll, denn ich bin auf der falschen Fahrbahnseite unterwegs. Ja, stimmt, und ich finde es toll, dass es trotz weniger Meter Versetzung der Fahrstreifen richtig erkannt wurde. Das gefällt mir, auch wenn es in diesem Fall durch die Baustelle nötig war.

Immer wieder bemerke ich, dass der EV2 sehr sparsam mit dem Strom umgeht, obwohl ich ihm nix schenke. Normalerweise bin ich nicht unbedingt jemand, der sparsam unterwegs sein will. In diesem Fall hat mich der kleine EV2 getriggert, mal herauszufinden, was geht. Auf einer Testfahrt von Pottendorf nach Wien habe ich es mit sehr effizienter Fahrweise geschafft, mit nur 11,4 kWh zu fahren, obwohl ich zumeist auf der Bundesstraße mit 100 km/h unterwegs war. Wirklich ein guter Wert, der mich bestätigt, dass man den EV2 in der Stadt problemlos unter 9 kWh bewegen kann, wenn man sich etwas bemüht.

Hilfreich dabei ist die sehr brauchbare Einstellungsmöglichkeit der Rekuperationswippen am Lenkrad. Hier kann man nicht nur die Rekuperation variieren, sondern auch auf den sogenannten i-Pedal-Modus umstellen. Damit kann man ohne Bremsen fast nur mit der Rekuperation unterwegs sein.20260824_133158 - Lautsprecher

Auf längeren Strecken macht die hervorragende Hifi-Anlage von Harman Kardon viel Freude. Exzellenter Klang und gute Bässe erfreuen mich auf der Fahrt. Dafür muss man unabhängig vom Aufpreis ca. 1/4 der untersten Ebene des Kofferraums hergeben. Das ist den tollen Klang jedenfalls wert.

Mit dem Fahrzeugschlüssel lässt sich der EV2 mit dem entsprechenden Ausstattungspaket aus engen Parklücken manövrieren, wenn man mal zugeparkt ist. Man kann auch durch längeres Drücken der Öffnungstaste die Fenster runterfahren, allerdings schaffen das nur die beiden vorderen Fenster, obwohl alle 4 Fenster elektrisch geöffnet werden könnten.

Fazit

Der EV2 hat mir an vielen Stellen sehr gefallen. Das Platzangebot ist sehr variabel, der Verbrauch ist hervorragend niedrig, selbst bei meiner eher 20260824_133035 - hintenreschen Fahrweise. Wenn  man ein günstiges Stadtauto oder etwas für den urbanen Bereich sucht, ist der Kia EV2 mit dem kleinen Akku sehr empfehlenswert.

Ist man öfter auf der Langstrecke, sollte man sich die Ausstattung mit dem größeren Akkupaket aussuchen. Stattet man den kleinen Wagen mit allen Annehmlichkeiten aus, die angeboten werden, wird man schnell bei einem Preis landen, wo man auch schon größere Modelle bekommt.

Allerdings kann man sich mit dem EV2 einen kleinen Wagen mit vielen Funktionen zusammenstellen, die es meist nur in größeren Fahrzeugklassen gibt.

Mir hat der kleine EV2 jedenfalls Spaß gemacht, denn man kann ich durchaus auch sportlich bewegen ohne die Stromrechnung zu gefährden.

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