Hyundai Kona – Testwochenende mit einem perfekten Elektroauto ?

Vergangenes Wochenende hatte ich die Gelegenheit, das brandneue Top Modell des Hyundai Kona Elektro für INSTADRIVE zu testen. Der Kona ist das erste vollelektrische SUV unter € 50.000,-  mit einer Reichweite von 482 km nach dem neuen WTLP Zyklus! Damit ist endlich Schluss mit der Reichweitenangst, denn bevor der Akku des Kona leer wird, sollte der Fahrer jedenfalls schon eine  Pause brauchen.
Das von mir getestete Top Modell hat 150 kW (204 PS) und den starken Akku mit 64 kW/h. Damit erreicht das Auto in 7,9 Sekunden Tempo 100 km/h und das mit 395 Nm Drehmoment.

Erster Eindruck

Der erste Eindruck ist gut, der elektrische Kona ist leicht am geschlossenen Kühlergrill zu erkennen.
Dahinter verbirgt die dezent beleuchtete Ladebuchse für CCS und Typ2.
Die schmalen LED Scheinwerfer geben dem Auto ein interessantes Gesicht. Ob man die schwarze Kunststoffurandungen der Radläufe mag oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen, mir gefällt das ganz gut.
Keyless Entry funktioniert sehr zuverlässig, denn man kann das Auto nur entsperren, wenn man sehr nahe am Fahrzeug steht und zusätzlich den schwarzen Knopf an der Türschnalle betätigt. Genau so einfach kann man auch wieder zusperren ohne den Schlüssel angreifen zu müssen.

Der Innenraum erinnert mich etwas an den Hyundai IONIQ, den ich im April getestet habe. Die beiden Paddels für die Einstellung der Rekuperation und die Tasten für die Klimaanlage habe ich schon mal gesehen.  Es gibt in der Top Ausstattung elektrisch verstellbare Ledersitze für Fahrer und Beifahrer, die nicht nur beheizt, sondern auch gekühlt werden können. Kleine Lüftungslöcher im Sitz werden mit kalter Luft aus der Klimaanlage versorgt, das fühlt sich sehr angenehm an. Die Mittelkonsole ist etwas breiter geraten und es spürt sich insgesamt so an als würde einen das Cockpit umschließen, ich mag das!

Bedienung und Instrumente

Die Bedienelemente sind alle nahezu selbsterklärend und logisch angeordnet. Detaillierte Einstellungen zum Fahrzeug kann man am zentralen Bildschirm im Armaturenbrett rechts über ein Menü konfigurieren. Die Anzeige ist manchmal etwas zu schmal um den vollen Text sichtbar zu machen. Die meisten Einstellungen muss man allerdings eh nur einmal konfigurieren. Der Bildschirm in der Mittelkonsole zeigt Informationen zu Verbrauch, Radio, Musik und Navigation an. Hier kann man ebenfalls einige Einstellungen zu den Fahrmodi und dem Laden machen.

Was mir beim Hyundai besonders angenehm auffällt ist, dass sich alles sehr logisch und ohne Erklärungsbedarf einstellen lässt. Das automatische Licht, der Scheibenwischer, die Fahrmodi, Assistenten, Rekuperation, Alles funktioniert so wie man es sich vorstellt! Und wenn nicht, dann kann man es anpassen.

Die Hi-Fi Anlage von Krell Audio Systems macht einen hervorragenden20181007_174440 Sound mit sehr guten Bässen. Man kann ein verbundenes Telefon, Android Auto, oder einen in der Mittelkonsole angesteckten USB Stick verwenden. DAB Radio und ein Equalizer runden das System ab. Auch hier kommen keine Wünsche mehr auf. Die Lautstärke und Wichtigkeit aller Audioausgaben von Rückfahrkamera, Navigation, Telefon und Hi-Fi Anlage lassen sich aufeinander abstimmen. In der Mittelkonsole ist ein verschließbares Fach mit der aus dem IONIQ bekannten IQ-Ladestation. Für Lüftung und Klima gibt es Tasten unter dem zentralen Bildschirm

Fahren

Beim Losfahren führt oberhalb des Armaturenbretts ein HeadUpDisplay heraus. Darauf kann man sich auswählbare Informationen und die Geschwindigkeit in unterschiedlichen Farben anzeigen. Ist zwar nett, aber ich hätte es nicht vermisst wenn es nicht vorhanden wäre.
Auf den ersten Metern außerhalb der Stadt merke ich sofort dass ich in einem 200 PS Auto sitze. Die volle Kraft von 395 Nm bringt der Kona beim zügigen Losfahren im Sportmodus erst nach einigen Metern auf die Straße. Hier kann es passieren, dass trotz ESP die Reifen kurz durchdrehen. Ich wünsche mir diese Leistung auf VIER Räder verteilt, das wäre perfekt!
Wählt man den Modus ECO, dann geht es viel gemütlicher los. Je nach Laune kann man die Pferde entweder zügeln oder laufen lassen 😉 Der Motor erzeugt bis 30 km/h ein künstliches Summgeräusch welches ab ca. 50 km/h wieder verstummt. Verlangt man dem Motor etwas Leistung ab, dann hört man ihn auch deutlich pfeifen. Stört zwar nicht, aber das können andere Autos etwas leiser.

Die Fahrdynamik im Hyundai ist bemerkenswert. Durch den tiefen Schwerpunkt der 64 kWh Batterie merkt man das Gewicht von etwas über 1800 kg nicht wirklich stark. Selbst in schnellen Kurven fährt der Kona überraschend stabil, fast sportlich. Bemerkenswert für ein SUV. Die leichtgängige Lenkung ist hervorragend für die Stadt geeignet und auch der Wendekreis kann sich sehen lassen.
Die an der Lenksäule angebrachten Paddles für die Rekuperation sind hervorragend geeignet zum Bremsen ohne das Bremspedal zu berühren. Auf Stufe 3 funktioniert das mindestens genauso gut, wie das ePedal im Nissan Leaf 2018. Außerhalb der Stadt sollte man eher Stufe 2 oder gar Stufe 1 einstellen, sonst könnte es beim Loslassen des Gaspedals, zu unerwarteten Begegnungen mit dem hinteren Fahrzeug kommen. Bremsbeläge wird man beim Kona sicher nicht so schnell wechseln müssen.

In der Top-Ausstattung liefert Hyundai zahlreiche Assistenten mit. Der adaptive Tempomat ist mein absoluter Liebling. Den kann man durchaus alleine fahren lassen. Mit dem Spurassistenten habe ich weniger Freude. Er verhält sich etwas launisch, wenn ihm die Bodemarkierung oder der Straßenverlauf nicht gefällt. Ich bin mir nie ganz sicher, wer von uns Beiden gerade das Auto fährt, daher werde in Zukunft lieber ICH fahren 😉

Laden

Aufladen kann man den Kona an einer passenden Ladesäule mit bis zu 100 kW in ca. 54 Min von 0% auf 80% Mit 50 kW dauert es ca. 75 Min, also nicht viel länger!
Vollladen am Wechselstrom geht mit 400V bis zu 7,2 kW leider nur einphasig in etwas mehr als 9 Stunden, wenn das Fahrzeug komplett leer ist. Es ist also sinvoll in der Garage einen Starkstromanschluß zu besitzen, wenn man das leere Auto über Nacht volladen möchte!

Praxistest

Da ich in 2 Wochen einen Langesteckentest auf der deutschen Autobahn geplant habe, bin ich dieses Wochenende eher auf der Schnellstraße und in der Stadt unterwegs.
Ich wähle die meiste Zeit die Einstellung “SPORT” und eine entsprechend zügige Fahrweise immer an der erlaubten Höchstgeschwindigkeit. Meine erste Route von Wien nach Gars am Kamp ein Stück über die Autobahn und wieder retour. Da nach dieser Fahrt von ca. 180 km der Akku nach immer noch halb voll ist, erweitere ich meinen Ausflug ins nördliche Weinviertel. Nach etwas mehr als 300 gefahrenen Kilometern komme ich wieder daheim an und habe noch 25% Restreichweite. Der Bordcomputer meint, damit noch ca. 85 km weit fahren zu können. Und das obwohl ich mich wirklich bemüht habe, den Akku an diesem Tag leerzufahren 😉
Ich bin etwas überrascht, denn bei den meisten Autos, die ich bis jetzt testen durfte, ist es mir gelungen, die angegebene Reichweite zumindest zu halbieren. Das gelingt mir beim Kona nicht. Ist auch klar, denn der WTLP Zyklus ist wesentlich realistischer berechnet als NEFZ bisher. Und ich war auch viel Bundesstraße mit 100 km/h unterwegs, das ist die Idealgeschwindigkeit für ein Elektroauto.

Ich bin schon gespannt auf meinen Trip nach München in 2 Wochen, denn auf der deutschen Autobahn kann der Hyundai Kona dann zeigen ob er auch dort langstreckentauglich ist. Die passenden Ladekarten für Deutschland habe ich schon bestellt. Und mit meiner Frau hab ich bereits eine Wette laufen, dass ich auf unserer Fahrt bis München nicht länger wie 30 Min laden muss!
Es bleibt also spannend 😉

Fazit

Mit dem Kona bekommt man endlich ein erschwingliches Elektroauto das eine mehr als praxistaugliche Reichweite hat!
Er ist sehr spritzig und trotzdem sparsam im Verbrauch. Mir gefällt die sehr intuitive und gut durchdachte Bedienung. Ein besonderes Merkmal ist auch, dass man den Kona sowohl sportlich zügig, als auch sparsam bewegen kann. Je nachdem wie man gerade Lust hat. Mit dem starken Akku ist meiner Meinung nach, bei sparsamer Fahrweise eine realistische Reichweite von 450 km möglich. Selbst wenn man,  wie ich etwas mehr Strom gibt, kann der Hyundai Kona auf der Landstraße schon locker 350 km weit fahren. Wie es auf der Autobahn aussieht, werde ich bald herausfinden.
Für mich ist der Hyundai Kona EV der Startschuss zu einer neuen Fahrzeuggattung die im Bezug der Reichweite zu 90% aller Fahrprofile passt. Und das zu einem guten Preis / Leistungsverhältnis!
Ab jetzt müssen sich die Benzinbrüder warm anziehen, denn es gibt ab heute keine Ausrede mehr für VOLL elektrisch!

Der Kona kann übrigens bei INSTADRIVE ab ca. € 309,- / Monat gemietet werden. Die nächste Bestellung ist bereits vermietet, aber es kommt sicher bald Nachschub …..
Der Kaufpreis ist derzeit bei € 45.800.- ohne Ledersitze. In der Topausstattung sind es knapp unter € 48.000,-

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