Elektroautos im Praxistest – Probefahrt mit dem Think City

2010_01_04_ThinkCity_frontDas zweite Elektrofahrzeug, das ich mir ansehe ist der Think!City der norwegischen Automobilschmiede THINK. Diese Firma entwickelt schon seit 1990 Elektroautos und hat somit schon viele Jahre Erfahrung mit Elektrofahrzeugen. Der erste Think City Prototyp wurde bereits 1991 entwickelt und ist seit einigen Jahren ausgereift. Seit 2006 werden die Think City Modelle bereits in Norwegen verkauft. Die Think City werden in Österreich von Denzel vertrieben.

Der erste Eindruck des Think! ist genau das Gegenteil vom Tazzari. Der Think! sieht auf den ersten Blick wie ein etwas zu groß geratenes Mopedauto aus. Gar nicht schnittig und wenig sportlich! Auf den zweiten Blick aber entpuppt sich der Think! als ein sehr gut durchdachtes Elektroauto mit viel Praxisnähe. Ein paar Ausstattungsmerkmale:

2010_01_04_ThinkCity_Heck

  • 2 Sitzplätze
  • Frontantrieb (Elektromotor 34 kW / 46 PS)
  • Wasserheizung (elektrisch)
  • Servolenkung
  • Bremskraftverstärker und ABS
  • 2 Airbags (Fahrer und Beifahrer)
  • elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung
  • vollwertiger Kofferraum (vergleichbar mit Mittelklasse PKW)
  • ausgewogenes Fahrwerk
  • weitere Ausstattungsmerkmale auf der Webseite …

Der Think City fährt sich sehr souverän. Das Fahrwerk ist sehr ausgewogen und durch die Batterien in der Mitte des Fahrzeugbodens hat der Think eine überraschend gute Straßenlage. Dadurch verleitet er nicht nur zu sportlicher Fahrweise, sondern wird auch aufgrund seiner eher biederen Optik oft von anderen Verkehrsteilnehmern unterschätzt. Der ca. 35 kW starke Elektromotor, welcher vorne eingebaut ist, hat einen überzeugenden Antritt. Der Think fährt sich ähnlich einem Automatik Fahrzeug und man braucht nicht viel überlegen, da sowohl die Instrumente, als auch der Schalthebel selbsterklärend sind.
Bei der Probefahrt kommt nach kurzer Zeit ein gewisser Suchtfaktor auf! Ich habe den Schalthebel nicht auf "E"conomy, sondern auf "D"rive. In diesem Modus gibt der kleinen Wagen wirklich alles, was technisch möglich ist. Und das ist eine ganze Menge! Bis 70 km/H spürt man eine starke Beschleunigung, die mich dazu verleitet auf die Autobahn zu fahren um herauszufinden wie hoch die Endgeschwindigkeit des Think City denn ist. Auf der Fahrt bis Wiener Neudorf merke ich dann schnell wo die Grenzen sind, denn der starke Antritt lässt ab 70 km/h bis 100 km/h merklich nach. Trotzdem ist man auf der Autobahn nicht vollkommen deplatziert, aber man sollte sich eher auf der rechten Spur einordnen, denn mehr als 100 km/h ist nicht drinnen.

2010_01_04_ThinkCity_seiteDie Ausstattung des Think City lässt wenig Wünsche offen und ich bekomme richtig Lust dieses gut durchdachte Auto länger als eine Stunde zu fahren.
Der Wagen ist mit einer Reichweite von ca. 160 km nicht nur als Stadtfahrzeug zu brauchen, denn damit kommt man auch schon etwas ins Umland. Bei meiner Probefahrt von ca. 1 Stunde bei ca. 2 Grad Minus, eingeschalteter Heizung, Radio und Fahrzeugbeleuchtung, habe ich für ca. 45 km etwas weniger als 40% des Akkus leergefahren.  Dabei habe ich den kleinen sehr zügig bewegt und ordentlich Leistung abverlangt! Den Ecomodus habe ich nur zum Vergleich kurz aktiviert.
Das bedeutet dass der Think! bei diesen eher widrigen Verhältnissen immer noch ca. 110 km weit kommt, sofern die Akkustandsanzeige korrekt funktioniert. Das ist absolut Praxistauglich.
Leider hat auch der Think! einen Nachteil! Den relativ hohen Anschaffungspreis von ca. 35.000,-!
Dafür bekommt man aber eine 5 Jahres Garantie auf den Lithium Ionen Akku und Antriebssystem, ein 5 Jahre (oder 100.000 km) Sorglos Paket eben.

Wer also weniger auf Show aus ist, sondern ein praxistaugliches Stadtfahrzeug mit reinem Elektroantrieb und einem brauchbaren Kofferraum sucht, sollte den Think City bei Denzel “Green Drive” in Erdberg mal probefahren.